Als meine Familie vor zwei Jahren beschlossen hat 2013/14 Weihnachten und Silvester nicht in Österreich zu verbringen, sondern nach Australien zu fliegen, hielt ich uns für was Besonderes. Jetzt ist es der 2. Jänner 2014 (in Sydney, daheim ist noch der 1. Jänner) und ich kontrolliere meinen Facebook-Account, und erstaunlich es gibt nur zwei Sorten von Fotopostings. Die klassische Winterlandschaft und …. ja Leute… Strand und Palmen, Familien und Freunde im Badeoutfit. Die einen Posten aus Florida, andere von den Malediven und nicht nur meine Fotos zeigen das Feuerwerk von Sydney. Tja so kann man sich täuschen.

Dennoch ist dieser „Ausflug“ nach Down Under was besonderes, denn es ist eine der seltenen Gelegenheiten wo die Familie vollständig ist. Mein Bruder und seine Frau, die hier leben, meine Schwester, die Kinder und ihr Mann, ich und natürlich meine Eltern – die Familie ist komplett. Beim letzten Wienaufenthalt meines Bruders gelang uns das nur für ein Essen.  Hier sind wir nun rund drei Wochen zusammen unterwegs – Weihnachten ein Familienfest.

Und das Erstaunliche dabei ist, es ist als wären keine Zeit vergangen. Das schöne an Familie ist die Vertrautheit, die sich nicht durch Zeit und räumliche Trennung verdrängen lässt. Natürlich jeder verändert sich, aber das Grundvertrauen das wir in einander haben bleibt uns.

Ich sehe mir die weihnachtlichen Fotopostings meiner FB-Freunde an, manche sind mir vertrauter als andere, aber eines haben diese Fotos alle gemeinsam sie strahlen weihnachtlichen Frieden aus. Natürlich ist das eine Illusion! Überall auf der Welt wird gestritten, gerade zu Weihnachten ;-), im kleinen und im großen Rahmen, manchmal nur mit Worten leider oft mit Waffen – wir Menschen sind nun mal sehr streitsüchtig. Aber manchmal ist die Illusion im Facebook, vielleicht auch nur für wenige Augenblicke, die Wahrheit. Und für diese Augenblicke lohnt es sich zu leben.


Durch die Bildung der neuen Regierung gibt es wieder viel Diskussion rund um die damit verbundenen Jobvergaben. Schon seit Wochen wird spekuliert wer wird was. Vor allem rund um die ÖVP gibt es Gerüchte und Spekulationen, denn anders als bei der SPÖ, war klar hier kommt es zu einigen Verschiebungen. Viele Namen geistern durch die Medien und überall wird wild spekuliert. Hier ein kurzes Jobprofil Regierungsmitglied:

Unser Idealpolitiker muss ehrlich sein, entscheidungsfreudig und hat Leadership. Wir möchten, dass er/sie Erfahrung hat, aber bitte keine Berufe die eventuell mit dem angestrebten Ministerium in Verbindung stehen oder stehen könnten. Und überhaupt möglichst keine Berufspolitiker, aber Lobbyisten oder Beamte oder Lehrer oder Gewerkschaftler die können wir auch nicht brauchen. Das sind alles Leute die Klientelpolitik machen würden.

Auch privat sollte der Ruf tadellos sein, ist aber bei uns nicht so wichtig wie in Amerika. Die Neigung zum Workaholic ist aber unabdingbar! Die Familie, sollte er/sie eine haben, muss also hinten anstehen. Aber nur bei einem Mann, wenn eine Frau Ministerin wird, dann sollte sie schon die Kinder zur Schule bringen und sich selber um die Hausaufgaben kümmern. Sonst ist sie eine Rabenmutter, was dem Image schadet.

Bescheidenheit ist besonders wichtig, die Gehaltvorstellungen sind möglich niedrig zu halten, keine großen Urlaube und Hobbys sind sowieso unerwünscht.

Idealerweise sind Regierungsmitglieder zwischen 40 und 50, also nicht zu jung und nicht zu alt. Optisch sollten sie auch was darstellen, nicht zu aufdringlich, aber apart. Letztere Anforderung ist für weibliche Politiker wichtiger als für männliche.

Medienaffinität ist sowieso ein Muss, reden gehört zum Handwerk und das auf jeden Fall in Deutsch und Englisch. Bitte aber keine sensiblen Personen, die tägliche mediale Kritik ist mit Würde zu tragen und demütig in empfang zu nehmen. Lob kommt weder von den Medien noch von den eigenen Reihen, dafür ist man/frau selber zuständig – aber nicht vergessen wir sprachen von Bescheidenheit!

Mit 50 scheiden sie dann aus der Regierung aus – man/frau will ja kein Sesselkleber sein. Danach aber bitte auch darauf achten den richtigen Job zu übernehmen – Versuche von ehemaligen Regierungsmitgliedern von ihren Erfahrungen zu profitieren sind nicht opportun. Mindestens 10 Jahre lang ist der Kontakt zu den Nachfolgern möglichst zu meiden.

Und wer hat jetzt noch Lust auf ein Regierungsamt?


Es häuft sich in der letzten Zeit eine wunderbare Floskel: „Ich bin kein Politiker.“ oder  „Ich möchte keine Politikerin sein.“ Durchaus verständlich, wenn Menschen nicht den Berufswunsch Politiker haben. Seit Alfred Gusenbauer in der Sandkiste davon träumte Bundeskanzler zu werden, hat kein österreichischer Politiker zugegeben, dass er/sie schon von Kindesbeinen davon träumt Politiker oder Politikerin zu sein. Eigentümlich finde ich Aussprüche dieser Art, wenn sie von Leuten kommen die eindeutig Politiker/Politikerin sind! Abgeordnete zum Nationalrat, Obleute von Parteien oder auch Generalsekretäre sind nach meinem Berufsverständnis Politiker bzw. Politikerinnen. Es mag der populistische Glaube herrschen, wenn ich sage ich bin´s nicht, dann glauben mir die Wähler das auch. Statt das jemand aufsteht und sagt: „ich habe mich entschieden Politik zu machen, ich will gute Politik machen und damit auch das Image der Politiker als solches verbessern!“ Das wäre übrigens MUTIG!

Wer kein Politiker ist muss sich auch an keine Ideologie halten, ist die nächste Schlussfolgerung vieler Politiker mit ihrem neuen Selbstverständnis. „Wir sind eine Ideologiefreie Partei!“ – „Wir haben Werte!“ – „Wer die richtigen Werte hat, ist bei uns willkommen.“ Bei solchen Aussagen wird mir schlichtweg schlecht. Woher kommen die Werte? Was sind Werte? Auf welcher Basis komme ich zu meinen Werten? Ohne Ideologische Grundlagen kann es keine Werte geben! Wer jede seine politischen Forderungen auf eine Werteorientierung zurückführen will (und nur so bleibt man glaubwürdig) der braucht dafür eine Ideologische Grundlage! Ob diese Grundlage sich nun auf liberalen, konservativen, christlich Sozialen oder auch marxistischen Ansätzen aufbaut, es ist die Basis meiner Werte. Der Respekt vor der Ideologie des Anderen, die eigenen Ansichten nicht für die Gott (oder woran immer man glaubt) gegebene Wahrheit zu halten, das sind die Grundpfeiler der Demokratie.

Und es Gilt: Die hohe Kunst der Politik ist es, wenn der einzelne Politiker/die Politikerin, jede Entscheidungen ideologisch und werteorientiert begründen kann – dann, und nur dann, ist die Politik und damit auch der Politiker glaubwürdig!


Verfolgt man die Kommentare und Artikel die seit der Wahl geschrieben wurden, denkt man doch gleich „Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang, lang, lang, lang, lang, lang.“ Behält der Knieriem aus „Lumpazivagabundus“ Recht? Nestroy lässt in seinem Stück Fortuna und Amorosa drüber streiten wer nun wichtiger ist für die Menschen, das Glück oder die Liebe. Aufgestachelt vom Geist Lumpazivagabundus beschließen die streitenden Damen die Probe auf Exempel zu machen und verschaffen drei Vagabunden den großen Lottogewinn. Zwei bringen das Geld durch, nur einer nutzt das Geld gewinnbringend.

Es mag jeder für sich selber entscheiden ob er die ÖVP für Fortuna und die SPÖ für Amorosa hält oder umgekehrt, Lumpanzivagabundus der wird jedenfalls von den Medien dargestellt. Und wir sind die drei Vagabunden – die als Versuchstiere für lustige Wetten herhalten. Es stellt sich nur die Frage ob wir alle enden wie Knieriem und Zwiern oder doch alle ein Leim sind 😉 Also ob wir unsere Chancen ergreifen und sie nutzen.

Alle schreien nach Veränderung. Die Politik muss sich verändern, die Politik soll was ändern. Bildung, Pensionen, Steuerreformen, Konjunkturpaket uvm all das verlangen wir von der kommenden Regierung.  Und warum wollen wir das alles? Damit wir weiterhin mit 58 Jahren in Pension gehen können, unser Kinder studieren können, wir weiterhin einfach scheinbar gratis zum Arzt gehen können und die Wirtschaft weiterhin wächst – also eigentlich damit alles so bleibt wie es jetzt ist?

Als ich ein Teenager war, gab es die Schreckensszenarien von toten Wäldern und das mit dem Ozonloch war auch so ein Schreckgespenst. Wir fahren jetzt mit schadstoffarmen Autos und böse Gase gibt es in den Spraydosen nicht mehr. Ich hoffe auf die Vernunft und Einsicht auf allen Ebenen und wir werden auch die kommenden Herausforderungen bewältigen, vielleicht gehen wir 10 Jahre später in Pension – aber wir werden wahrscheinlich auch 10 Jahre länger leben. Veränderungen sind doch gut 😉 So wie der Tischlergeselle Leim sein Glück in die Hand genommen hat und solide geworden ist, so können wir auch unser Glück in die Hand nehmen und die Dinge selber regeln….

 

 


Die heutigen Medien haben wieder zwei super wichtige Themen:

Erstens: Yupps in den Verhandlungsteams von SPÖ und ÖVP sitzen nur 4 (in Worten VIER) Frauen – von insgesamt 26 Personen.

Zweitens: die Frau Lindner nimmt ihr Mandat als wilde Abgeordnete!

Ehrlicher weise kann ich nicht sagen welche der beiden Nachrichten mich mehr aufregt.

Zuerst zum Verhandlungsteam: Es muss wirklich niemanden überraschen, dass die Teams auf beiden Seiten so gebildet worden sind. Ist doch unsere Politik männlich geprägt. Es gibt einsame unerschrockene Vorkämpferinnen die sich nicht nur ob ihrer Meinungen täglich Hohn und Spott gefallen lassen müssen, auch spielt bei männlichen Politikern das Äußere eine ungleich untergeordnetere Rolle. Ist es schon schwierig, kluge, engagierte Männer für einen solchen Job zu motivieren, ist es noch schwieriger, Frauen für einen Job in der Politik zu interessieren. Die Motivation sich politisch zu engagieren nimmt bei beiden Geschlechtern rapide ab, und bei Frauen, die sich meist sowieso schuldig fühlen, umso mehr. (Frauen, die zu Hause bleiben, und sich um die Kinder kümmern, sind zu faul zum Arbeiten. Mütter, die arbeiten, sind Rabenmütter. Und Frauen die keine Kinder haben, haben ihren innersten Wunsch sowieso der Karriere geopfert …..)

Etwas kurz gefasst aber so ist der Pool aus dem sich die beiden Vorsitzenden nun ihre Teams zusammengestellt haben.  Und plötzlich fällt es auf. Weniger Empörung hat es bei der Durchsicht der Spitzenkandidaten auf den Regionalwahllisten (aller Parteien) gegeben. Auf der Bundesebene sind ja alle Parteien mittlerweile sehr darauf bedacht ihre Quoten einzuhalten. Bin gespannt, wie sich der Frauenanteil im Parlament am 29. Oktober gestaltet. Und ob ich mich über die mediale Berichterstattung ärgern muss.

Und dann gab’s heute noch den zweiten Aufreger: Frau Lindner und ihr Nationalratsmandat. Persönlich schließe ich mich allen empörten Zwischenrufen auf Twitter, Facebook und in allen anderen Medien an. Es ist schlicht und einfach Betrug, Betrug am Team Stronach (gerade jemand wie Frau Lindner sollte doch halbwegs logisch denken können, warum sollte jemand sie den aufstellen, wenn nicht um die ÖVP und die Raiffeisen zu ärgern) – Betrug an ihren Jahrzehnte langen Förderern Konrad und Pröll und zu guter Letzt auch noch Betrug am Wähler. Aber eines können wir versichert sein, einfach werden diese 5 Jahre jedenfalls für sie nicht. Frau Lindner wird ohne Backup, ohne Klub und ohne Netz arbeiten. Auch hier bin ich gespannt, wie lange sie das aushält.

Einen Aspekt der empörten Diskussion muss ich aber noch ansprechen. Mehrmals kam es zum Vergleich mit der Ex-Miss World Ulla Weigerstorfer, welche der beiden Damen unqualifizierter wäre. Auch Frau Nachbaur (die nun wirklich nicht mein Fall ist) werden auch gerne alle politischen Fähigkeiten abgesprochen. Welcher männliche neue Parlamentarier wird derartig vorverurteilt? (bevor wer was sagt, Herr Stronach hat uns schon im Wahlkampf gezeigt, was uns im Parlament erwartet) Wie auch immer diese drei Damen den Weg ins Parlament geschafft haben, sie müssen sich genauso wie ihre männlichen Kollegen beweisen. Die Vorverurteilungen weil sie blond und Frauen sind, finde ich empörend, genauso empörend wie der betrügerische Weg, den Frau Lindner ins Parlament genommen hat. So eine Vorgangsweise finde ich geschlechtsneutral falsch.

So bin ich heute aber zu einer neuen Erkenntnis gekommen, die nächsten Plenarsitzungen werden nicht nur spannend, sondern stellenweise sicher auch kabarettreif. So viele prominente Namen die Politik spielen werden. Ich hoffe inständig, dass die routinierten Politiker im Hintergrund die Arbeit machen werden. Und so verhindern, dass die Rechnung in fünf Jahren nicht zu teuer wird.

 

 


In Österreich gibt es laut Statistik Austria 1,240 Millionen Singlehaushalte. Sind das also 1,240 Millionen Singles? Das ist sicher keine verlässliche Zahl, denn wir wissen, dass einige Menschen, die alleine in einer Wohnung leben, doch eine Partnerin oder eine Partner haben. Heutzutage nennt mancher das auch Lebensabschnittspartner. Unsere Gesellschaft ist auf Beziehungen ausgerichtet. Werbung, Verkauf, Politik und Lebenseinstellungen – alle gehen von mindestens zwei Menschen aus. Zwar entdeckt die Wirtschaft immer mehr das Potential von alleine lebenden Menschen, Fernsehserien, Partnerschaftswebseiten, Partnervermittlung, Singlereisen usw…. Letztendlich aber geht es immer wieder nur darum das Singledasein zu beenden. Das paradoxe aber ist: Hat der Mensch endlich seinen Facebook Status von „Single“ zu „in einer Beziehung“ oder gar in „verheiratet“ geändert, sucht der Mensch nach Selbstverwirklichung. Dieses Paradoxon bestimmt unsere Gesellschaftsstruktur, warum ist das so? Warum definieren wir uns über unsere Beziehungen, oder Nichtbeziehungen?

Wir Menschen sind an und für sich nicht zum allein sein geschaffen. Das steht fest. Aber nur wenn wir lernen uns und andere nicht über ihren Beziehungsstatus zu definieren, werden wir auch lernen, echte Toleranz zu leben. Dann ist es völlig egal ob Single, Monogam, verheiratet, Dreiecksbeziehung oder auch mit welchem Geschlecht Mann/Frau zusammen ist, was zählt, ist der einzelne Mensch.

 


Heut zu Tage ist es sehr wichtig, sportlich zu sein. Die Menschen laufen in Heerscharen in Fitnessstudios, joggen im Park, wandern heißt jetzt Northern Walking oder machen Zumba, täglich wird eine neue Sportart erfunden. Wenn man nicht gerade selber sport macht, kann man das alles nachlesen. Per Facebook posten Freunde ihre Zumbabilder oder machen uns ein schlechtes Gewissen mit Runstatistik.com. Scheinbar machen immer alle anderen mehr für ihre Gesundheit und auf einmal kommt man sich furchtbar unsportlich vor.

Ist man aber endlich sportlich unterwegs gibt es dann auch noch das sportliche versus dem unsportlichen Verhalten. In der Wettkampfsituation erwarten wir von unseren Gegnern, Sorry Mitbewerbern, sportliches Verhalten. Also Fairness… Wir verlangen, dass sich unsere Gegner an die Regeln halten und den Kampf bis zum Ende führen. Das unsportlichste überhaupt ist Doping! Wir haben ein festes Bild im Kopf wenn wir etwas als unsportlich oder sportlich bewerten.

Persönlich würde ich mir mehr sportliches Verhalten auch in allen anderen Lebensbereichen wünschen.


Der Wahlkampf ist vorüber und der Wähler hat entschieden. Von allen Seiten her wird jetzt analysiert, was der Souverän wohl mit seiner Wahl gemeint hat. Die Kommentatoren scheinen sich aber in einem einig zu sein: Der Wähler hat sich nicht FÜR, sondern GEGEN etwas entschieden, namentlich gegen die beiden „Großparteien“. Insbesondere die Zuwächse der FPÖ werden gerne so interpretiert. Natürlich ist die andere Schlussfolgerung – dass  die Österreicher vielleicht wirklich eher „rechts“ denken, die unangenehmere Variante. Persönlich finde ich beides erschreckend.  Es sagt nichts Gutes über das allgemeine Demokratieverständnis in Österreich aus.

Entscheidend aber ist,  was jetzt   mit diesem Wahlergebnis passiert – wie wird die künftige Regierung ausschauen? Ist die Botschaft angekommen? Wenn man den Worten unserer Politiker glaubt: ja. Michael Spindelegger spricht von einem „Denkzettel“, Werner Faymann gelobt Besserung und Eva Glawischnig freut sich schon auf die Oppositionsarbeit. Einzig HC Strache geht überraschend einen neueren Weg und bietet an mitzuregieren. Ach ja, und die NEOS wären auch bereit, ein Päckchen der Arbeitslast zu tragen. Einzig das Team Stronach weiß nicht so recht was es jetzt tun soll. Die Zeitungen spekulieren auf Koalitionsvarianten, interpretieren die Reaktionen der Parteien, spielen „wer wird was“ und warten darauf, der künftigen Regierung wieder ihre Unvollkommenheit vor Augen zu führen. Also eigentlich „more of the same” – so wie immer halt …

Dieses Spiel kennen wir schon und es hat sich in Österreich immer wiederholt. Ein einziges Mal wurde der klassische Weg unterbrochen und der Dritte koalierte mit den Zweiten. Wir wissen alle was von 2000 bis 2007 dann passierte. Beinahe täglich werden die Verfehlungen dieser Zeit medial aufgezeigt. Da sich das rein rechnerisch nicht ausgeht, ist es müßig darüber zu spekulieren. Dreier-Koalitionen, wie auch immer sie zusammen gesetzt sind, wären auch eine neue Variante – aber  sinnvoll?! Mancher Journalist fordert eine „Koalition der klügsten Köpfe“, doch was heißt das? Wer sind die klügsten Köpfe? Und wollen sie überhaupt in die Politik? Fragen, nichts als Fragen.

Und dann gibt es auch noch das steirische Ergebnis. Dort ist, zum medialen Entsetzen, die FPÖ die Nummer Eins geworden. Im vielgepriesenen reformvorzeige Bundesland haben die Bürger Nein gesagt! Nein zur viel gelobten Reformpartnerschaft von Voves und Schützenhöfer oder haben die Steirer Nein gesagt zum Stillstand im Bund? Betrachtet man die Medienberichte vor der Wahl kann man getrost sagen: die Steiermark hat ihrer Landesregierung einen „Denkzettel“ verpasst. Ganze Gemeindeinitiativen haben aufgerufen, aus Protest gegen Gemeindezusammenlegungen, nicht für ÖVP und SPÖ zu stimmen – Gemeindezusammenlegungen, die nur in der Steiermark stattfinden. Also wollen die Österreicher, oder zumindest die Steirer, doch keine Reformen?

Bei all diesen offenen Fragen kann man dennoch das Ergebnis getrost als fifty/fifty Entscheidung bezeichnen. 50 Prozent bestätigten die Regierung, die andere Hälfte entzog der Regierung ihr Vertrauen. So wurde die Aufgabe vor der Österreichs Politiker nun stehen, am Sonntag denkbar schwerer als sie sowieso schon immer war. Denn egal welche Entscheidungen in den kommenden Verhandlungen getroffen werden: die Hälfte der Österreicher wird gleich am Anfang enttäuscht sein. Was auch wiederum „The same procedure as every time” entspricht …


In wenigen Tagen wählt Österreich ein neues Parlament. Ein neues Parlament, wenn man der Medienberichterstattung glauben darf wählen wir eigentlich eine Regierung. Vor dieser Wahl kommt aber der Wahlkampf. Der Name ist Programm, es heißt WahlKAMPF, und mancher Kommentator spricht schon von einer Schlacht. Ich habe eine Menge Erfahrung mit dem Thema, habe ich doch schon im zarten Alter von 16 Jahren wahlgekämpft. Mein Engagement galt einem EU-Beitritt oder einer Partei, oder einem bestimmten Kandidaten. Ich habe Zettel verteilt und in der Nach Luftballons aufgehängt (so richtig große Luftballons) Damals hatte Wahlkampf auch was von Jugendlager und Streichen die man der jeweilig anderen Parteijugend gespielt hat. Und am Schluss hat man über diese Dinge gelacht, auf beiden Seiten. Heute spielen wir dies Streiche im Internet, “lustige” Bilder geistern durch Netz – der Großteil davon ist auch wirklich lustig und man schmunzelt sogar über manches das sich eigentlich gegen die eigene Partei richtet. ABER leider leider ist manchem der Humor abhanden gekommen und jedes Mailing jedes Bildchen wird todernst analysiert.

Fernsehsendungen wie “Die Wahlfahrt” versuchen dem Wahlkampf den Krampf zu  nehmen, hat das auch funktioniert? Heute am Abend werden wir die beiden Spitzenkandidaten von ÖVP und SPÖ in dieser Sendung bewundern können, erst danach können wir uns ein endgültiges Urteil erlauben. Was ich aber bis jetzt gesehen haben zeigt nur auf das wir uns vom eigentlichen Sinn einer Wahl immer mehr entfernen. Nämlich das der Bürger die Wahl hat zwischen unterschiedlichen Parteien und Personen. Inhaltlich bringt diese Sendung recht wenig – Bucher bekommt eine Liebeserklärung seiner mitfahrenden Freundin, HC Strache hat einen eigentümlichen Musikgeschmack, Eva Glawischnig ist eine schwierige Beifahrerin und ach ja der verrückte Kanadier war auch mit diesem Auto unterwegs seine Meinung zum Thema Todesstrafe war doch echt die einzige politisch Inhaltliche Ansage die gemacht wurde.

Da wären ja auch die TV-Duelle, die´s diesmal im Überfluss gibt, damit man sich informieren kann. Tja über den Informationsgehalt dieser Sendungen, egal auf welchem Sender, kann man auch streiten. Aber viel wichtiger als die Sendung selbst ist die Berichterstattung des nächsten Tag. Da geht es ausschließlich drum wer gewonnen hat, wer angriffiger war, wer den anderen fertig gemacht hat. Keine Inhalte und keine Programme, parallel dazu wird aber von allen immer beklagt das es keine Inhalte mehr gibt. Persönlich weiß ich was mir politisch wichtig ist – die Eigenverantwortlichkeit der Menschen, die Freiheit und ein solidarisches Miteinander.

Am Sonntag werden wir sehen wie sich die Österreicherin und Österreicher entscheiden, mit und ohne Hilfe der Medien.


Viele Leute mögen Montage nicht. Ich kann zwar nicht behaupten das ich zu diesen Leuten gehöre, aber Montage sind immer die Tage nach dem Sonntag und daher der Tag nach dem schönsten Tag der Woche. So damit bringt mich dann der Dienstag dem nächsten Sonntag wieder näher.

Der nächste Sonntag – also der 29.September 2013 – ist Wahlsonntag in Österreich. Das heißt diese Woche werden alle Medien sich in allen möglich Analysen ergehen, die Wahlkampfmaschinen laufen auf Hochtouren und die letztentschlossenen treffen ihre Wahlentscheidung. Viele haben bereits ihre Wahl mittels Briefwahl schon getroffen, viele werden es am Sonntag in der Wahlzelle tun und viele werden leider gar nicht hingehen. Letztere aber werden am Montag, dem Tag danach, es womöglich bereuen. Deshalb heute ein Aufruf BITTE wählen gehen.

Mehr werde ich heute nicht sagen, denn euch zu erzählen wen ich wählen werde, würde euch nicht überraschen 😉